Reiseberichte

Top! - Fischen vor Zadar mit Patrick Baier

Von Jürgen Oeder

Bura also. Mal wieder: Skipper Patrick hatte uns vor Abflug informiert, dass der üble Wind mit etwa 60 kmh über die Berge hinter Zadar hinweg in die Adria hineinwehen werde und die ersten zwei bis drei Tage das Angeln auf Blauflossenthun deshalb ausfallen müsse.

In Jezera bin ich an solchen Tagen immer reihum durch die Kneipen gezogen. Dass wir in Zadar davor verschont blieben, verdanken wir Patricks sympathischer Frau Christina und ihrem gelungenen Alternativprogramm für die nichtangelnde Begleitung angelnder Männer.

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Doch zunächst zum Fischen: In den zweieinhalb Tagen, die wir fischen konnten, zeigten uns Skipper Patrick Baier und sein kroatischer Mate Branimir beim Fang von zwei Thunen und einem Amberjack, dass sie das Prädikat „professionell" durchaus verdienen!

Vor allem die Angelei auf Amberjack hatte es mir angetan: Branimir, ein Apnoetaucher, kennt nicht nur jeden Stein unter Wasser, sondern auch ein noch in keiner Karte verzeichnetes Wrack und liebt das Angeln mit Hornhecht (oder Kalmar) auf Amberjack und Dentex.

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Dazu werden Hornhechte mit einem Köder gefangen, den auch so manche Ostseeangler schätzen: Eine Schlaufe aus vielen dünnen Seidenfäden wird an einem Monovorfach weit hinter dem Boot geschleppt. Beißt ein Hornhecht auf das mutmaßliche Fischlein, verhängen sich seine vielen Zähne heillos in den Seidenfäden.

Geriggt werden die Hornhechte dann an einem System mit zwei festen und einem verschiebbaren Einzelhaken an einem Monovorfach. Dieser kleinere Einzelhaken wird von unten durch beide Kiefer gesteckt. Zudem wird der „Schnabel“ mit einem Stück Schlauch verschlossen, durch den das Vorfach läuft.

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Dieser Köder wird etwa 20 m ausgelassen, dann wird eine kleine Schlaufe (mit dünner Dyneema) an 0,30er geflochtene Hauptschnur geknotet und daran ein Bleigewicht an einer monofilen Abreißschnur eingehängt. Diese Montage hat beim eher grundnahen Schleppen den Vorzug, dass bei einem Hänger nur das Blei und nicht die komplette Montage verloren geht.

Wir mussten nicht lange trollen bis zum ersten Biss: Ein guter Amberjack, der allerdings unhaltbar über die Kante des Plateaus zog und die Schnur dabei an einem Felsen zerriss. Beim zweiten Biss setzte Patrick das Boot dann sofort im Rückwärtsgang über den Fisch und wir hatten mehr Glück.

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Seitdem bin ich Fan von gegrilltem Amberjack natur. Bis dahin kannte ich ihn nur in der von mir „Raschelfisch" genannten Variante von den Malediven: In kleine Stücke zerhackt, mit Kardamon parfürmiert und in Palmöl so trocken frittiert, dass die Teile beim Auflegen auf den Teller raschelten. Aber nun zu Hause ein Ah- und Oh-Erlebnis: Filets vom jungen Amberjack, mit etwa Zitrone gesäuert und kurz in die Pfanne, da lass ich künftig jeden angebratenen Bluefin für stehen.

A propos Bluefin: Auch beim Fischen auf sie haben Patrick und Branimir einen Spitzenplatz in petto, den nur sie kennen. Und das war auch gut so. Statt Stress und Gedränge an den Tuna-Käfigen ist dort entspanntes Angeln angesagt. In Erinnerung blieben mir dabei Patricks elegante Bewegungen beim Anfüttren: Wenn er mit einer Schere ein oder zwei Sardinen aus der Kassette griff und sie in einer ausholenden Bewegung und schnellem Schnitt so durchtrennte, dass die Teil nach hohem Bogen in unserer Heckwelle landeten.

Patrick tat das immer auf den letzten paar Hundert Metern vor Beginn der Drift, um auch Fische von außerhalb unserer Driftspur anzulocken. Und noch ein Trick, den ich von ihm lernte: Mit altem Weißbrot, Sardinen und Wasser einen Brei anrühren. Der trübt sichtiges Wasser und verleitet misstrauische Thune an der Oberfläche doch noch zum Biss, wenn mitten in der trüben Wolke die Sardine am Haken angeboten wird.

Trotz Vollmondwoche fingen wir dann an Patricks Spezialplatz zwei Thune. Die Endphase des Drills filmte Branimir, der ohne Flaschen auf 40 m taucht (!), mit einer GoPro. Den einen Thun in der 50- kg-Klasse fotografierten wir vor dem Zurücksetzen, der andere releaste sich an der Trimmklappe des Bootes selbst.

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Weitere Grundlage für den Erfolg der beiden ist aber auch Branimirs Wissen über die jeweiligen Standplätze der Sardinenfangboote (Er ist mit einem Berufsfischer verwandt): Dort wo die Boote sind, sind immer auch Thune. Ist das Angeln an andern Plätzen mal zäh, geht es früh morgens zu den Netzfischern, und ein Biss ist nahezu garantiert.

Patricks Gerät ist übrigens top: 80-er Tiagras für den Stuhl, 50-er bent butt fürs Stand-Up-Fischen sind an Bord seiner 7,8 m Phaethon (Christina, Dein Mann braucht wirklich ein größeres Boot ), eine Spinnrute mit Stella kann auf Wunsch als Freeline ausgelegt werden.

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Dass Patrick, der nur im Nebenberuf skippert, sein Handwerk versteht, beweist auch seine Statistik. Von 30 geplanten Tagen konnte er wegen des schlechten Wetters in diesem August/September zwar nur an 19 Tagen rausfahren, fing aber immerhin 28 Thune (und nach uns noch zwei Amberjacks bis 16 kg).

Nun hat er noch einen jungfräulichen Unterwasserberg entdeckt, der aus der Tiefe auf rund 25 Meter ansteigt. Dort fing er bei einem ersten kurzen Test zwei schöne Peterfische mit 2-3 kg. Gute Amberjacks, Thune und mit Glück auch Schwertfisch dürften kommende Saison folgen.

Und noch ein dickes Plus haben der Skipper und sein Mate: Patrick sonniges Gemüt und Barnimirs trockener Humor im Dialog damit haben uns immer wieder aufs herzlichste zum Lachen gebracht. Die Stimmung an Bord war immer super und das Angeln mit den beiden bekommt auf meiner Wohlfühlskala deshalb die höchstmögliche Punktzahl.

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Und nicht zu toppen war auch der Einsatz von Christina und ihrer warmherzigen kroatischen Freundin Danijella in den Bura-Tagen. Die beiden zeigten uns Kultur und Kirchen in dem umtriebigen Zadar, das schon Geschichte schrieb, als hierzulande noch Teutonen mit dem Ger in Zahnlücken stocherten. Christina und Danjella führten uns zudem in die Weinberge Punta Skala mit ihrem Blick auf Zadar und die vorgelagerten Inseln. In dem Restaurant dort oben wird zu Fisch und Meeresfrüchten ein ausgezeichneter Weißwein gereicht, der „Posip Punta Skala" ist der erste geschützte Weißwein Kroatiens. Aber auch Rotweinliebhaber kommen ganz auf ihre Kosten mit dem „Crljenak". Von dieser alten kroatischen Rebsorte stammt Wissenschaftlern zufolge immerhin der italienische Primitivo sowie der Zinfandel ab.

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Interessant war auch unser Besuch im 20 Autominuten entfernten Nin. Der bezaubernde historische Stadtkern liegt auf einem 500 Meter langen Inselchen, und dort findet sich eine Kirche aus dem 9. Jahrhundert, die wegen ihres Innenmaßes von 36 Schritten als kleinste Kathedrale der Welt bezeichnet wird. Nin bietet aber auch erholungsuchenden Familien mit Kindern einen unschlagbaren Vorteil. Der Sandstrand (einer der wenigen an Kroatiens steiniger Küste) und vor allem die flache und geschützte Bucht sind zum Baden und Plantschen für kleine Kinder geradezu prädestiniert. Dort zu Urlauben und mit Patrick von Zadar aus zu angeln, das lässt sich perfekt kombinieren.

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ngler ohne Anhang sind im Appartement in Branimirs Haus gut aufgehoben. Vor allem sein „Fischerzimmer" neben der Garage mit offenem Kamin lädt abends ein zum Grillen des Fangs und der einen oder anderen schönen Flasche Wein. Patrick und Branimir werden uns kommendes Jahr wieder sehen, zum Fischen auf große Dentexe und noch größere Amberjacks. Branimir kennt da einen Platz, der...

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